Ich setze bei Retrospektiven mit bereits offenen wie auch noch zurückhaltenden Mitarbeitern häufig auf die im Buch Making Good Teams Great beschriebene Struktur.
Beim ersten Punkt (Set the Stage) hilft mir dabei, die Retrospektive mit dem Austeilen von Süssigkeiten zu beginnen, um die Leute mental durch Zucker aufzulockern. Dazu schaffe ich dann mit der Vegas Regel einen sicheren Rahmen:
„What happens in Vegas, stays in Vegas“
So frage ich die Teilnehmer nach ihrem Commitment dafür, ob alles was in der Retro besprochen wird, auch unter den Teilnehmern bleibt, außer alle beschließen gemeinsam, dass bestimmte Aspekte nach außen getragen werden.
Darüber hinaus nutze ich als Material Moderationskarten und Postits, damit auch stille Teilnehmer ausreichend Zeit und Gelegenheit haben, ihre Gedanken zu positiven wie negativen Aspekten aufzuschreiben. Bei sehr stillen Teams biete ich zudem in den ersten Retros an, die Karten in einen Kasten anonym zu werfen. Stück für Stück trainiere ich mit den Teams aber offen zueinander zu sein, z.B. durch einen Workshop zur Stärkung des agilen Mindsets sowie tägliche Daily Standup Meetings.
Quelle:
https://www.amazon.de/dp/B00B03SRJW?ref_=cm_sw_r_kb_dp_wVY0CbGEZZJ3S&tag=kp0508-21&linkCode=kpe
Hallo zusammen (und hallo an mein früheres Ich),
ich antworte mir hier mal selbst, da mittlerweile einige Jahre vergangen sind und sich meine Sichtweise auf dieses Problem komplett gewandelt hat. Es ist viel passiert seit 2019 – wir haben uns verändert, die Arbeitswelt ist remote geworden, und Methoden, die damals funktioniert haben, reichen heute oft nicht mehr aus.
Wenn ich heute auf das Problem "Schweigen in der Retro" schaue, realisiere ich: Das Problem war oft nicht das Team, sondern mein Ansatz. Ich habe versucht, sofort auf die Meta-Ebene zu gehen ("Was lief schlecht?"), ohne dass das Team emotional dort war.
Was ich heute anders mache: Ich nutze kaum noch klassische "Frage-Antwort"-Runden zum Einstieg, sondern Simulationen.
Warum? Weil Schweigen oft Unsicherheit ist. Wenn wir aber gemeinsam ein kurzes Spiel spielen (z. B. 5 Minuten), bei dem wir gemeinsam scheitern oder gemeinsam gewinnen, ist das Eis sofort gebrochen. Die Emotionen sind wach, und man redet über das Spiel statt über sich selbst. Das ist viel sicherer.
Aus dieser Erkenntnis heraus haben wir eine Sammlung an Tools gebaut, die genau diese Brücke schlagen: games.teamprove.de
Wenn heute ein Team schweigt, lasse ich sie z. B. den "Traffic Jam" spielen. Danach redet jeder, weil sie sich über den Stau im Spiel aufregen. Und von da ist der Schritt zur Diskussion über unsere echte Arbeit nur noch winzig.
Vielleicht hilft dieses "Update aus der Zukunft" ja jemandem, der heute über diesen Thread stolpert.
Viele Grüße, Giancarlo